Den Tränenfilm verstehen. Die passende Ursache behandeln.
Warum werden Augen trocken?
Trockene Augen bedeuten nicht immer, dass zu wenig Tränen vorhanden sind. Auch ihre Zusammensetzung und die Oberfläche des Auges können gestört sein. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Feuchtigkeit, gleichmäßiger Benetzung und einem stabilisierenden Fettfilm.
Wer versteht, welcher dieser Bausteine beeinträchtigt ist, versteht auch besser, warum Tropfen manchmal nur kurz helfen – und weshalb unterschiedliche Behandlungen sinnvoll sein können.
Trockene Augen können brennen, lichtempfindlich sein oder bei Wind und Kälte tränen.
So schützt der Tränenfilm Ihre Augen
Mit jedem Lidschlag verteilt sich ein feiner Film auf dem Auge. Er hält die Oberfläche feucht, lässt die Lider gleiten und trägt zu klarem Sehen bei. Drei Bestandteile übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben.[1]
Luft
Lipidfilm ↓ · sehr dünn, aus den Meibomdrüsen
Wässriger Bereich mit gelösten Muzinen
Glykokalyx · kurze Schutzstruktur an den Zellen
Hornhautoberfläche (Oberflächenzellen)
Schematische Darstellung, nicht maßstabsgetreu
Tränendrüse → wässriger AnteilBecherzellen der Bindehaut und Oberflächenzellen → Muzine und GlykokalyxMeibomdrüsen in den Augenlidern → Lipide
Die vertraute Einteilung in drei Schichten ist eine Vereinfachung. Wasser und gelöste Muzine bilden einen gemeinsamen Bereich; darüber liegt der Lipidfilm.[1]
Wasser
Feuchtigkeit
Der wässrige Anteil stammt überwiegend aus den Tränendrüsen. Er befeuchtet und versorgt die Augenoberfläche und enthält schützende Bestandteile.
Muzine
Gleichmäßige Benetzung
Muzine sind Schleimstoffe, die das Verteilen der Tränen und das Gleiten der Lider unterstützen. Gelöste Muzine stammen unter anderem aus Becherzellen der Bindehaut. Weitere Muzine sitzen direkt auf den Oberflächenzellen und bilden dort eine schützende Struktur: die Glykokalyx.
Lipide
Stabilität und Verdunstungsschutz
Die Meibomdrüsen in den Augenlidern liefern Fette, sogenannte Lipide. Sie bilden den äußeren Film, unterstützen dessen Stabilität und wirken übermäßiger Verdunstung entgegen.
Merksatz: Für angenehme Augen braucht es ausreichend Tränen, eine gut benetzbare Oberfläche und einen stabilen Tränenfilm.
Welche Ursache ist besonders häufig?
Eine häufig zitierte Studie von Lemp und Kollegen untersuchte Patienten an Zentren in den USA und Europa. Von 224 Personen mit trockenem Auge ließen sich 159 anhand der verwendeten Kriterien den folgenden Gruppen zuordnen:[2]
Bezugsgruppe: 159 nach den Studienkriterien zuordenbare Personen aus 224 Personen mit trockenem Auge
Meibomdrüsenstörung ohne nachgewiesenen wässrigen Mangel
49,7 % · 79 von 159
Wässriger Mangel ohne nachgewiesene Meibomdrüsenstörung
14,5 % · 23 von 159
Beide Befunde gemeinsam
35,8 % · 57 von 159
Damit war bei rund 86 % dieser 159 Personen eine Meibomdrüsenstörung beteiligt – allein oder zusammen mit einem wässrigen Mangel.
Klinische Studie, veröffentlicht 2012; keine repräsentative Bevölkerungsstatistik. 65 der 224 Personen mit trockenem Auge waren nach diesen Kriterien nicht zuordenbar. Die Zahlen beschreiben diese Studiengruppe, nicht jeden Menschen mit trockenen Augen.[2]
Und wie häufig ist eine Muzinstörung?
Die genannte Untersuchung liefert dafür keinen eigenen Prozentwert. Eine belastbare allgemeine Aufteilung „Wasser x %, Muzin y %, Fett z %“ lässt sich daraus nicht ableiten. Die Störungen können sich überschneiden. Auch eine US-amerikanische systematische Auswertung von 2022 betont, wie stark Häufigkeitsangaben von Definition und Untersuchungsmethode abhängen.[3]
Warum helfen Augentropfen manchmal nur kurz?
Ein Tropfen kann das Auge befeuchten und die Reibung verringern. Wenn jedoch die Meibomdrüsen nicht ausreichend funktionierendes Fett abgeben, kann der Tränenfilm trotzdem rasch wieder instabil werden.
Reine Benetzungstropfen, etwa mit Hyaluronsäure, können Beschwerden lindern und die Augenoberfläche unterstützen. Eine zugrunde liegende Meibomdrüsenstörung oder Lidrandentzündung behandeln sie jedoch nicht gezielt. Dafür kann eine zusätzliche Therapie nötig sein.[4]
Feuchtigkeit ergänzen
Passende Tränenersatzmittel unterstützen die Augenoberfläche. Bei Verdunstungsproblemen kommen auch lipidhaltige oder andere verdunstungshemmende Präparate infrage.
Die Ursache behandeln
Je nach Befund muss zusätzlich eine Entzündung beruhigt, eine Allergie behandelt oder die Funktion der Liddrüsen verbessert werden. Auch lipidhaltige Tropfen ersetzen nicht in jedem Fall eine Behandlung der Drüsen.[4, 5]
Merksatz: Wenn Tropfen nur kurz helfen, lohnt sich die Frage: Was destabilisiert den Tränenfilm?
Drei Beispiele – unterschiedliche Wege zum trockenen Auge
Fiktive Beispiele zur Orientierung.
Die Beschwerden überschneiden sich; aus einem einzelnen Merkmal lässt sich keine Diagnose stellen.
Nach den Wechseljahren fühlen sich die Augen ständig trocken an
Eine Frau bemerkt seit den Wechseljahren häufiger Brennen und Sandkorngefühl. Zusätzlich besteht eine Schilddrüsenunterfunktion.
Mögliche Erklärung: Bei der Untersuchung wird unter anderem geprüft, ob zu wenig wässrige Tränen vorhanden sind. Hormonelle Veränderungen und Schilddrüsenerkrankungen können auch andere Teile des Tränensystems betreffen.
Ein langjähriger Kontaktlinsenträger mit Hausstaubmilbenallergie bemerkt Juckreiz, Reiben und eine kürzere angenehme Tragezeit.
Mögliche Erklärung: Hier müssen Allergie, Kontaktlinsenverträglichkeit und die Benetzung der Augenoberfläche gemeinsam beurteilt werden. Eine Muzinstörung ist eine mögliche Beteiligung, kein automatischer Befund.
Gerötete Lidränder – und draußen laufen die Tränen
Eine Person mit Rosazea oder Couperose hat empfindliche Lidränder. Bei Wind oder Kälte tränen die Augen, in Innenräumen brennen sie.
Mögliche Erklärung: Eine Untersuchung der Meibomdrüsen und auf Augenrosazea kann die Ursache klären. Sichtbare Hautrosazea muss dabei nicht immer vorhanden sein.
1. Wässriger Tränenmangel: Wenn Feuchtigkeit fehlt
Baustein: Wasser
Wässriger Tränenmangel bedeutet, dass die Tränendrüsen zu wenig Flüssigkeit für eine ausreichend versorgte Augenoberfläche bereitstellen.
Was passiert im Auge?
Die Flüssigkeitsreserve reicht nicht aus, um die Oberfläche dauerhaft gut zu benetzen. Tränendrüse, Nerven und Augenoberfläche arbeiten dabei als zusammenhängendes System. Eine Störung kann an unterschiedlichen Stellen entstehen.[6]
Welche Beschwerden können auftreten?
Trockenheits- oder Sandkorngefühl.
Brennen und unangenehmes Reiben beim Blinzeln.
Ermüdete Augen beim Lesen oder am Bildschirm.
Zeitweise verschwommenes Sehen.
Bei ausgeprägten Veränderungen auch Lichtempfindlichkeit.
Diese Beschwerden können auch bei anderen Formen des trockenen Auges vorkommen. Zusätzliche Mundtrockenheit oder bekannte Autoimmunerkrankungen sind wichtige Hinweise für das Arztgespräch.[6]
Welche Ursachen kommen infrage?
Hormonelle Veränderungen, insbesondere rund um die Wechseljahre, können das trockene Auge begünstigen. Sie betreffen nicht ausschließlich den wässrigen Anteil. Auch eine Schilddrüsenerkrankung kann relevant sein; aus einer Schilddrüsenunterfunktion allein lässt sich die Art der Tränenfilmstörung nicht ableiten.[7, 8]
Bestimmte Medikamente können die Beschwerden verstärken, darunter einige Antidepressiva und einzelne Blutdruckmedikamente, etwa Betablocker oder entwässernde Mittel. Ob ein Präparat beteiligt ist, wird individuell geprüft. Bitte verordnete Medikamente nicht eigenständig absetzen.[8]
Beim Sjögren-Syndrom und anderen Autoimmunerkrankungen können die Tränendrüsen betroffen sein. Auch altersbedingte Veränderungen und weitere Erkrankungen kommen als Ursachen infrage.[6]
Was kann helfen?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Zustand der Augenoberfläche. Benetzungstropfen, beispielsweise mit Hyaluronsäure, können fehlende Feuchtigkeit ergänzen. Bei häufigem Gebrauch werden meist konservierungsmittelfreie Präparate bevorzugt. Liegt eine behandlungsbedürftige Entzündung vor, kann eine zusätzliche entzündungshemmende Therapie erforderlich sein.[4, 5]
Vorhandene Tränen länger am Auge halten
Bei geeigneten Befunden lässt sich vorhandene Tränenflüssigkeit länger am Auge halten:
Punctum Plugs sind kleine Verschlüsse an den Tränenabflusswegen. Es gibt vorübergehende und längerfristig verbleibende Varianten.
Lacrifill ist ein Gel, das ärztlich in die ableitenden Tränenkanälchen eingebracht wird und den Abfluss vorübergehend verringert. Es ist kein Augentropfen und steigert nicht die Tränenproduktion.[9, 10]
Vor einem Tränenwegverschluss werden unter anderem Entzündungen, Infektionen und die Durchgängigkeit der Tränenwege beurteilt. Welche Option passt, hängt vom Befund und den jeweiligen Produktvorgaben ab.
2. Benetzungsstörung: Wenn die Oberfläche den Tränenfilm nicht gut trägt
Baustein: Muzine
Eine Störung der Muzine oder der Glykokalyx kann dazu beitragen, dass sich Tränen nicht gleichmäßig auf dem Auge verteilen.
Was passiert im Auge?
Für eine gute Benetzung müssen die Augenoberfläche und ihre schützenden Bestandteile zusammenarbeiten. Chronische Entzündung oder eine Schädigung der Oberfläche können dieses Zusammenspiel beeinträchtigen. Dabei können auch Funktion und Anzahl der Becherzellen der Bindehaut verändert sein.[11]
Eine Allergie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Becherzellen verloren gehen: Allergische Entzündungen können zunächst auch zu vermehrter Schleimproduktion führen. Entscheidend ist der tatsächliche Zustand von Bindehaut und Hornhaut.[11]
Welche Beschwerden können auftreten?
Reibungs- oder Fremdkörpergefühl trotz regelmäßigen Tropfens.
Brennen und zeitweise schwankendes Sehen.
Zunehmend unangenehme Kontaktlinsen.
Bei begleitender Allergie besonders Juckreiz, Rötung und gegebenenfalls Schleimfäden.
Keines dieser Symptome beweist für sich einen Muzinmangel.[11, 12]
Welche Ursachen kommen infrage?
Bei langjährigem Kontaktlinsentragen und gleichzeitig bestehenden Allergien lohnt sich ein genauer Blick auf die Augenoberfläche. Reizung, Entzündung, Passform, Tragezeiten und Pflegemittel können eine Rolle spielen. Es gibt keine allgemeine Grenze, nach der weiche Kontaktlinsen ab dem fünften Jahr zwangsläufig Becherzellen schädigen.[11, 12]
Hausstaubmilbenallergie oder eine Augenbeteiligung bei Neurodermitis können die Oberfläche zusätzlich belasten. Weitere mögliche Zusammenhänge sind chronische Oberflächenentzündungen, bestimmte konservierungsmittelhaltige Augentropfen und seltenere vernarbende Erkrankungen.[4, 11, 13]
Was kann helfen?
Zuerst wird geklärt, welche Belastung tatsächlich vorliegt. Bei entzündeten oder deutlich gereizten Augen kann eine konsequente Kontaktlinsenpause sinnvoll sein. Die Dauer und ein möglicher späterer Wiedereinstieg werden nach dem Verlauf festgelegt.[12]
Bei nachgewiesener Allergie kommen eine Verringerung der Allergenbelastung und antiallergische Augentropfen infrage. Eine Hyposensibilisierung kann bei ausgewählten Allergien sinnvoll sein und wird allergologisch geprüft. Sie ist keine allgemeine Behandlung für jede Benetzungsstörung.[13, 14]
Bei bestimmten entzündlichen Befunden können immunmodulierende Augentropfen wie Ciclosporin eingesetzt werden. Welches Präparat geeignet ist, hängt von Diagnose, Schweregrad und zugelassener Anwendung ab; es ist keine Standardtherapie für jede Kontaktlinsenunverträglichkeit.[15]
Benetzende Tropfen oder Gele können den Schutz der Oberfläche ergänzen. Sie unterstützen die Benetzung, ersetzen aber nicht vollständig die Funktion lebender Becher- und Oberflächenzellen.[4, 11]
Warum braucht die Behandlung manchmal Geduld?
Eine chronisch gereizte Augenoberfläche beruhigt sich nicht immer innerhalb weniger Tage. Behandlung und Verlaufskontrollen können sich über längere Zeit erstrecken. Bei anhaltender Schädigung kann eine langfristige, mitunter dauerhafte Unterstützung notwendig sein. Eine lebenslange Tropfentherapie ist jedoch nicht bei jedem Betroffenen vorgegeben.
3. Lipidstörung: Wenn der Tränenfilm zu schnell instabil wird
Baustein: Lipide
Eine Meibomdrüsen-Dysfunktion bedeutet, dass die Liddrüsen ihr fetthaltiges Sekret nicht in ausreichender Menge oder geeigneter Qualität abgeben.
Lidrand im Querschnitt: erweiterte Lidrandgefäße, verstopfte Drüsenöffnungen, zylindrische Beläge an den Wimpern und eine zunehmende Atrophie der Meibomdrüsen bis zum vollständigen Drüsenverlust. Im Detailausschnitt sind Demodex-Milben im Wimpernfollikel zu sehen. Schematische Darstellung.
Was passiert im Auge?
Drüsenausgänge können verengt oder verstopft sein; das Sekret kann sich verändern. Der äußere Lipidfilm erfüllt seine Aufgabe dann schlechter. Die Tränen können schneller verdunsten und der Film kann zwischen den Lidschlägen aufreißen. Bei länger bestehenden Veränderungen kann auch Drüsengewebe verloren gehen.[16]
Welche Beschwerden können auftreten?
Brennende, gereizte oder müde Augen.
Empfindliche, gerötete oder verkrustete Lidränder.
Schwankendes Sehen, das nach dem Blinzeln vorübergehend klarer wird.
Wiederkehrende Lidrandprobleme oder Hagelkörner.
Tränende Augen bei Wind und Kälte.
Warum tränt ein trockenes Auge? Eine gereizte Oberfläche kann zusätzliche Tränen auslösen. Diese Reaktion beseitigt die Störung des Tränenfilms nicht zwangsläufig. Starkes Tränen kann allerdings auch andere Ursachen haben, etwa einen gestörten Tränenabfluss.[6]
Welche Ursachen kommen infrage?
Augenrosazea ist ein wichtiger Zusammenhang: Sie kann Lidränder und Meibomdrüsen chronisch entzünden – auch bei wenig auffälligen Hautveränderungen. Eine Couperose oder Rosazea der Gesichtshaut kann deshalb ein Hinweis sein, ersetzt aber keine Untersuchung.[17]
Demodex-Milben können zusätzlich eine behandlungsbedürftige Lidrandentzündung verursachen. Sie sind nicht bei jeder Meibomdrüsenstörung die Ursache. Auch Alter, Medikamente und weitere Lidrandveränderungen können beteiligt sein.[8, 16]
Was kann helfen?
Ziel ist, Entzündung und Drüsenfunktion passend zum Befund zu behandeln. Dafür können mehrere Bausteine zusammenkommen:
Angepasste Lidrandpflege und gegebenenfalls Wärmebehandlung.
Professionelle Lidrandreinigung und gezielte Entleerung geeigneter Drüsen. Eine Massage zu Hause sollte nach Anleitung erfolgen; kräftiges Drücken auf das Auge ist ungeeignet.
Lipidhaltige oder andere verdunstungshemmende Tropfen als Unterstützung.[4, 5]
Bei ausgewählten entzündlichen Befunden eine medikamentöse Behandlung, zum Beispiel mit Doxycyclin. Der Einsatz bei Augenrosazea kann außerhalb der zugelassenen Indikation liegen und erfordert eine individuelle ärztliche Entscheidung und Aufklärung.[17]
IPL, also Intense Pulsed Light: Behandlung mit Lichtimpulsen bei geeigneten Meibomdrüsen- und Rosazeabefunden.[18]
Tixel: ein thermomechanisches Verfahren mit kurzen Wärmekontakten an der Haut. Es ist ein anderes Verfahren als IPL und wird nach konkretem Befund und verwendetem System ausgewählt.[19]
Bei MUNICH EYE können medikamentöse Behandlung, IPL und gegebenenfalls Tixel je nach Befund in einem individuellen Konzept kombiniert werden. Auch professionelle Lidreinigung und Steamer-Therapie gehören zum Behandlungsspektrum. Welche Verfahren zeitlich zusammenpassen, wird unter Berücksichtigung von Medikamenten, Hauttyp und Lichtempfindlichkeit festgelegt.
Weshalb lohnt sich eine frühe Abklärung?
Je eher die Störung erkannt wird, desto eher können behandelbare Entzündungen und Funktionsstörungen gezielt angegangen werden. Das Ziel ist, Beschwerden zu lindern und vorhandene Drüsenfunktion bestmöglich zu nutzen. Bereits verlorenes Drüsengewebe lässt sich durch die genannten Verfahren nicht verlässlich wiederherstellen.[5, 16]
Bei ausgeprägtem Drüsenverlust kann eine langfristige, auch dauerhafte Unterstützung des Tränenfilms nötig bleiben. Ob und welche Tropfen gebraucht werden, entscheidet der Befund – nicht das Lebensalter allein. Ein vollständiger oder dauerhaft tropfenfreier Behandlungserfolg lässt sich nicht versprechen.
Wässriger Mangel, eine gereizte Augenoberfläche und Meibomdrüsenstörungen können gleichzeitig bestehen. Deshalb besteht ein sinnvoller Therapieplan häufig aus mehreren aufeinander abgestimmten Maßnahmen.[5]
Zuerst klären: Was braucht jetzt besondere Aufmerksamkeit?
Starke Beschwerden sind wichtig. Für die Reihenfolge zählen zusätzlich die Untersuchungsbefunde: Gibt es eine ausgeprägte Entzündung, eine Allergie, eine erhebliche Unterversorgung mit Tränen oder eine geschädigte Hornhaut? Solche Befunde können vorrangige Behandlung erfordern.
Die Oberfläche stabilisieren und die Ursachen gezielt behandeln
Bei deutlichem wässrigem Mangel oder einer geschädigten, schlecht benetzbaren Oberfläche kann deren Stabilisierung zunächst im Vordergrund stehen. Eine gleichzeitig bestehende Meibomdrüsenstörung wird passend dazu mitbehandelt oder anschließend gezielt angegangen. Es gibt keine starre Reihenfolge, die bei allen Patienten gilt.[5]
Ein mögliches Beispiel: Bei aktiver Allergie und gereizter Oberfläche wird zunächst die Allergie behandelt und eine Kontaktlinsenpause vereinbart. Parallel schützt ein passendes Tränenersatzmittel. Bestehen zusätzlich relevante Liddrüsenbefunde, werden diese in den weiteren Plan aufgenommen. Ein Tränenwegverschluss wird erst nach Prüfung seiner Eignung eingeplant.
Den Verlauf prüfen
Wir betrachten, ob Beschwerden und Befunde auf die Behandlung ansprechen. Danach wird entschieden, welche Maßnahmen weitergeführt, ergänzt oder reduziert werden können. Bei ausgeprägten Oberflächenschäden stehen in ausgewählten Fällen weiterführende Verfahren zur Verfügung, beispielsweise eine Amnionmembranversorgung mit therapeutischer Kontaktlinse.[5]
Die drei Tränenfilm-Bausteine erklären viel, aber nicht jede Ursache. Unvollständiges Blinzeln, ein gestörter Lidschluss, Umweltbelastungen und Veränderungen der Nervenfunktion können ebenfalls eine Rolle spielen. Deshalb werden Beschwerden, Augenoberfläche, Lider und Tränenfilm gemeinsam beurteilt. Ein einzelner Messwert reicht nicht für jede Diagnose.[20]
Merksatz: Die wirksame Reihenfolge ergibt sich aus Ihrem Befund – nicht aus einer pauschalen Rangliste der Verfahren.
Ursachen trockener Augen im Fachgespräch erklärt
Wenn Sie das Thema vertiefen möchten, finden Sie hier unser Fachgespräch zu Symptomen, Entstehung und Diagnose des trockenen Auges – mit Prof. Dr. Alireza Mirshahi, Chefarzt unserer Partnerklinik Augenklinik Dardenne, Bonn.
Prof. Dr. Alireza Mirshahi, Chefarzt der Augenklinik Dardenne, Bonn
Häufige Fragen zu den Ursachen trockener Augen
Kann ich gleichzeitig zu wenig Tränen und eine Fettfilmstörung haben?
+
Ja. Ein wässriger Mangel und eine Meibomdrüsenstörung können gleichzeitig bestehen. Deshalb werden Tränenmenge, Stabilität des Films und Zustand der Augenoberfläche zusammen beurteilt.[5]
Bedeutet eine Hausstauballergie automatisch Muzinmangel?
+
Nein. Eine Allergie kann die Augenoberfläche belasten und die Schleimproduktion verändern. Ob tatsächlich eine Muzin- oder Oberflächenstörung vorliegt, muss untersucht werden.[11]
Muss ich nach vielen Jahren auf weiche Kontaktlinsen verzichten?
+
Das hängt vom Befund ab. Bei entzündeten oder gereizten Augen kann eine Pause erforderlich sein. Eine feste Fünfjahresgrenze gibt es nicht. Ob später wieder Kontaktlinsen getragen werden können, wird nach dem Verlauf und gegebenenfalls nach einer Anpassung von Linse und Trageweise entschieden.[12]
Sind lipidhaltige Tropfen bei jedem trockenen Auge besser?
+
Nein. Das Präparat sollte zur Störung des Tränenfilms und zur Verträglichkeit passen. Bei Verdunstungsproblemen können lipidhaltige oder andere verdunstungshemmende Präparate sinnvoll sein; bei Mischformen sind weitere Behandlungsbausteine erforderlich.[5]
Heilt IPL oder Tixel das trockene Auge dauerhaft?
+
Beide Verfahren können bei geeigneten Befunden Teil der Behandlung sein. Sie passen nicht zu jeder Ursache. Ein dauerhaft beschwerde- oder tropfenfreies Ergebnis kann nicht zugesagt werden; Kontrollen und ergänzende Maßnahmen können weiterhin nötig sein.[18, 19]
Welche Ursache steckt hinter Ihren Beschwerden?
Bei MUNICH EYE in München untersuchen wir Tränenfilm, Augenoberfläche und Lidränder im Zusammenhang. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, der zu Ihren Befunden und Beschwerden passt.